Vischer Lectures
WiSe 202672027
Dienstag, 8. Dezember; 17.30 Uhr (K2, 17.22)
Dr. Ruth Wolff: Was ist authentisch? Franco Sacchettis Trecentonovelle und die Bücher des Florentiner Appellationsgerichts des späten 14. Jahrhunderts
Der Vortrag beschäftigt sich mit der Frage nach der Erzeugung und Rezeption von Authentizität zwischen Text und Bild anhand ausgewählter Beispiele von Gerichtsbüchern aus dem Bestand „Giudice degli Appelli e nullità“, der im Staatsarchiv von Florenz aufbewahrt wird. Diese Bücher sollen hier erstmals vorgestellt und den bekannten Novellen des Florentiner Dichters und Kaufmanns Franco Sacchetti gegenübergestellt werden.
Bei dem vergleichenden Blick geht es nicht darum, Sacchettis Novellen historische Quellen gegenüberzustellen, welche die den Novellen zugrunde liegende „Wahrheit“ erkennbar machen würden. Es sollen vielmehr Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Erzählstrategien des Autoren Sacchetti und der Notare als Autoren der Gerichtsbücher verdeutlicht werden. Darüber hinaus soll gezeigt werden, wie Notare – anders als Sacchetti – Zeichen und Bilder im Verein mit ihrer Schrift einsetzten, um die „Wahrheit“ ihrer Texte anschaulich zu vergegenwärtigen und gleichzeitig zu schützen.
Ruth Wollf ist Mitglied des Stuttgarter Research Center vor Text Studies und stellt aktuelle Ergebnisse des DFG-Projekts „Authentizität“, „Stil“ und „Originalität“ – Die Miniaturen, Zeichnungen und Zeichen von Notaren auf und in Gerichtsbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts im Staatsarchiv von Florenz - der Bestand „Giudice degli appelli e nullità“ (1338-1491) vor. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
Dienstag, 12.1; 17.30 Uhr (K2, 17.22)
Prof. Dr. Alexander Honold: Ritter des Kontrapunkts. Stationen und Stilformen literarischer Vielstimmigkeit
Mit Denis Diderots Figur des „Neveu de Rameau“ (1762), einem Verwandten und Epigonen des französischen Komponisten, zieht in die literarische Auseinandersetzung mit der Tonkunst die Figur des Musikdarstellers und Parodisten ein. Von den Musikerzählungen E.T.A. Hoffmanns (Ritter Gluck, Kreisleriana) wird die responsive Dramaturgie zwischen erster und zweiter Stimme weitergeführt, bisweilen bis zur Paradoxie. Über weitere Stationen (wie u. a. Michail Bulgakows Meister und Margarita) entfaltet sich ein Erzählspektrum pluraler Stimmführung, das schliesslich bis zu Thomas Manns Roman über den Tonsetzer Adrian Leverkühn führt, in dem nicht weniger als die ‚faustische‘ Dimension deutscher Mehrstimmigkeit verhandelt wird.
Wir begrüßen Alexander Honold, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Basel und unter anderem Direktor des dortigen Forum Basiliense, bei uns in Stuttgart. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.