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Reihe Kometen der Moderne
Paul Adlers Absolute Prosa eröffnete 2018 die Reihe Kometen der Moderne. Sie macht außergewöhnliche Stimmen der literarischen Avantgarde wieder zugänglich und präsentiert sie in hochwertigen, wissenschaftlich begleiteten Leseausgaben.

- Max Brod
Schloss Nornepygge. Der Roman des Indifferenten.
Herausgegeben von Laura Friedrichsohn und Claus Zittel
Kometen der Moderne, Band 6. Düsseldorf 2026.
Ein kometenhafter Aufstieg mit einem rebellisch dekadenten Schlüsselwerk: In der literarischen Welt der Berliner Boheme machte dieser Roman seinen jungen Prager Autor schlagartig berühmt und gab der Moderne ihre Signatur. Endlich ist der bedeutendste unter den frühen, Furore machenden Texten des Freundes und Nachlassverwalters Franz Kafkas wiederzuentdecken.
Schloss Nornepygge, erschienen 1908, wurde als »das modernste der modernen Bücher« gefeiert und entführt in die Welt von Walder Nornepygge, einem reichen, zivilisationsmüden und überfeinerten jungen Mann auf der verzweifelten Suche nach seiner Identität. Mit jedem Kapitel verschreibt er sich einem neuen Lebensstil, folgt anderen Ideen und wirft sich neuen Lieben in die Arme. Er durchwandert so das gesamte Spektrum der seinerzeit denkbaren Lebensentwürfe zwischen Eros und Satanismus, Romantik, Abenteurertum, Ausschweifung und Askese. Dabei wechselt er nicht nur die Stile wie Kleider, sondern entzaubert sie auch gleich selbst wieder als bloße Täuschungen. Wie sehr wurde Kafka von diesem frühen Brod mit seinen genialischen Experimenten und der allumfassenden Ironisierung der Welt beeinflusst? Das zeigt erst die Lektüre dieser textkritischen Ausgabe, die um zeitgenössische Rezensionen, ein Nachwort und Kommentare ergänzt wird.
ISBN 978-3-946595-49-6

- El Hor / El Ha
Streichhölzer. Prosaskizzen, Erzählungen und andere Texte.
Herausgegeben von Claus Zittel unter Mitarbeit von Lea Schober.
Kometen der Moderne, Band 5. Düsseldorf 2025.
»Wer ist El Ha?« So fragte im Jahr 1922 der Prager Dichter Paul Leppin, um den Neugierigen dann doch nur zu verraten, »daß hinter dem Pseudonym eine junge, uns Pragern wohlbekannte Dame steckt«, die vorher auch unter dem Namen El Hor geschrieben habe. Seither ranken sich Spekulationen um die geheimnisvolle Identität der Autorin, die für ihre ebenso eigenwillige wie stilistisch meisterhafte Kurzprosa berühmt war. – Ihre Schriften sind mit dieser Ausgabe wiederzuentdecken, und ihre Identität wird endlich enthüllt.
El Hors / El Has kurze Texte erschienen ab 1908 in bedeutenden Zeitschriften, oft auf der gleichen Seite mit denen von Gottfried Benn, Robert Musil, Robert Walser, Rilke, Max Brod oder Kafka. Sie wurde als »Genie der Skizze« gerühmt, vor allem deshalb, weil sie mit wenigen Strichen die grausamen Abgründe erotischer Verstrickungen aus weiblicher Perspektive moralfrei zu skizzieren verstand. In den frühen neunziger Jahren wurde ca. ein Viertel ihres Werkes, namentlich die schmalen Büchlein Die Schaukel und Schatten, die 1913 und 1920 erschienen waren, neu herausgegeben. Das ungewöhnliche, alles andere als harmlose Œuvre der Autorin ist allerdings vielfältiger und weit umfänglicher als bislang angenommen.
Der hier vorgelegte Band bringt außer den bekannten Skizzen mehr als 150 bisher nie wieder gedruckte und vielfach nicht einmal bibliografisch erfasste Texte in textkritischer Gestalt, sammelt biografische Zeugnisse, darunter auch Briefe, sowie zeitgenössische Rezensionen und erschließt das Werk und die Verfasserin mit einem Nachwort.
ISBN 978-3-946595-47-2

- Hedwig Caspari: Uns gehört keine Zeit.
Elohim, Salomos Abfall, verstreute Texte und Zeugnisse.
Herausgegeben von Imelda Rohrbacher und Claus Zittel
unter Mitarbeit von Laura Friedrichsohn. -
Kometen der Moderne, Band 4. Düsseldorf 2025.
Biblische Stoffe und expressionistische Moderne – dass sich das nicht widerspricht, zeigt das schmale, aber eindrucksvolle Werk der früh aus dem Leben geschiedenen Dichterin Hedwig Caspari. Seither nahezu völlig in Vergessenheit geraten, ist eine der bemerkenswertesten Stimmen unter den deutschen Expressionistinnen mit diesem Band endlich wiederzuentdecken.
Vor gut hundert Jahren erschien das lyrische Werk der Berliner Dichterin Hedwig Caspari in den einschlägigen Anthologien und Zeitschriften neben Texten von Max Brod, Albert Ehrenstein, Ludwig Strauss, Robert Walser, Franz Werfel, Alfred Wolfenstein und Else Lasker-Schüler, mit der man sie gelegentlich verglich. Caspari fand in ihren Gedichten einen eigenen, eher skeptischen Ton, der sie von den messianischen Erlösungsfantasien anderer unterschied. Auch ihr Salomo-Drama ragt unter den biblischen Dramen des 20. Jahrhunderts heraus und kann sich mit den dramatischen Dichtungen Beer-Hofmanns messen. Ungewöhnlich dabei: ihr kritischer Blick auf die Salomo-Figur, die sie in ihrer männlichen Hybris durchschaut und konsequent seziert. Nur drei Jahre nach dem Erscheinen ihres ersten Gedichtbandes, Elohim (1919), setzte Hedwig Caspari ihrer noch jungen Laufbahn als Dichterin selbst ein Ende, als sie sich 1922 vierzigjährig mit Gift das Leben nahm. Über ihr Leben ist wenig bekannt, Manuskripte sind verschollen. Die Neuausgabe ihrer Werke bringt alles derzeit Auffindbare – ihr Drama Salomos Abfall (1920), die Gedichte und einige wenige zeitgenössische Brief- und Rezeptionszeugnisse – in einem Band zusammen. In ihrem Nachwort führen die Herausgeberin und der Herausgeber in die Poetik Casparis ein.
ISBN 978-3-946595-41-0

- Heinrich Schaefer: Mein letztes Werk sei Gift.
Der Roman »Gefangenschaft« und andere Texte.
Herausgegeben von Adela Sophia Sabban und Claus Zittel.
Kometen der Moderne, Band 3. Düsseldorf 2023.
Durch seine obsessive Sprache und brutale Konsequenz schockiert Heinrich Schaefers einziger Roman Gefangenschaft noch heute. Er bietet eine wilde Folge von Aufzeichnungen eines im Gefängnis auf seine Hinrichtung wartenden Gattenmörders und zählt ebenso wie Schaefers kürzere Texte zu den kühnsten eines radikalen Expressionismus.Wenig ist bekannt über das Leben Heinrich Schaefers, jenes Autors des deutschen Frühexpressionismus, dessen Hauptwerk, sein von 1911 bis 1913 verfasster und 1918 gedruckter Roman Gefangenschaft, nie in den Buchhandel kam, sondern nur klandestin unter Subskribenten im Berliner Milieu zirkulierte. Das Buch war gemeinsam mit Schlüsselwerken der Moderne wie Carl Einsteins Bebuquin oder Franz Jungs Opferung in der berühmten Reihe »Aktionsbücher der Aeternisten« angekündigt worden, aber als einziger Band nicht frei zu erwerben. Offenbar ging er über das selbst nach expressionistischen Maßstäben seinerzeit der Öffentlichkeit Zumutbare weit hinaus. Denn schonungslos werden darin die abgründigen Gedanken eines Mörders in unzensierter Innensicht geliefert, nicht als Beichte, die zur Sühne führt, sondern in einem Akt ungeheurer Selbstentblößung, als moralinfreie Niederschrift alles dessen, was dem Ich-Erzähler im Kopf und im Leib herumspukt. »Ein revolutionäres Buch«, urteilte Max Herrmann-Neiße. »Das Unsagbare sagen« lautete auch die Losung von Schaefers Band Drei Erzählungen (1918) mit heute ebenfalls nahezu gänzlich vergessenen Erzählungen und Prosaskizzen, die wie sein Roman nun als Solitäre der experimentellen Ich-Literatur der Moderne wiederzuentdecken sind.
ISBN 978-3-946595-21-2

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Oskar Loerke: Der Oger.
Herausgegeben von Dieter Heimböckel und Claus Zittel.
Kometen der Moderne, Band 2. Düsseldorf 2020.Genau hundert Jahre nach dem Erstdruck von 1921 erscheint diese erste und bislang einzige textkritische und mit Erläuterungen und einem Nachwort versehene Neuedition des epischen Hauptwerks von Oskar Loerke, eines Romans, dessen Wirkung als Unterstrom der Literatur des vergangenen Jahrhunderts bisher weitgehend unerkannt verlief und den es mit dieser Ausgabe neu zu entdecken gilt.
Aufstieg und Zerfall einer Familie: Oskar Loerkes Epos erzählt über fünf Generationen die Geschichte der Wendenichs, die unter dem Unstern einer Krankheit stehen. Es ist die Epilepsie, die das Verhältnis zwischen Vater und Sohn unerträglich belastet und zuvor schon das Ausleben der künstlerischen Neigungen des Vaters verhindert. Nicht von ungefähr wollte man in diesem Roman eine im bäuerlichen Milieu angesiedelte Variation der Buddenbrooks erkennen. Doch er ist viel mehr. Es finden sich in ihm grandiose Naturschilderungen, in ihrem Realismus geradezu apokalyptische Szenen auf einem Nordseekutter, die Darstellung vielfachen Scheiterns zahlreicher Nebenfiguren und nicht zuletzt die facettenreiche Behandlung der Epilepsie und der mit ihr einhergehenden psychosozialen Bedrängnisse. Es ist eine einzige Elegie des versäumten und verwehrten Lebens. Die durch die Krankheitserfahrung schmerzhaft gesteigerte Aufmerksamkeit der Hauptfigur begründet das Faszinierende des Romans, und Loerke findet einen ungekannten Ton: Die Schilderung extremer und zugleich luzider Bewusstseinszustände, dicht in die Erzählung hineingewobene Mythen und Märchenmotive wie das des monströsen, alles überschattenden Ogers sowie das Leitthema der Musik erzeugen einen schwebenden Erzählton zwischen Traum und Wirklichkeit. So etwas wird von Hütern der literarischen Konventionen in derartiger Konsequenz sonst nur der Lyrik zugestanden.
ISBN 978-3-946595-13-7
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- Paul Adler: Absolute Prosa.
Elohim, Nämlich, Die Zauberflöte und andere Texte.Herausgegeben von Claus Zittel unter Mitarbeit von Fabian Mauch.
Kometen der Moderne, Band 1. Düsseldorf 2018.Mit dieser Ausgabe, die das Erzählwerk des Prager Autors Paul Adler erstmals vollständig zugänglich macht, kann einer der großen literarischen Formkünstler der Moderne endlich wiederentdeckt werden.
Seine kühnen Prosaexperimente wurden von der zeitgenössischen Kritik sofort gerühmt, trotzdem ist Paul Adlers Werk später nur verstreut in Anthologien veröffentlicht und noch bis heute zu wenig beachtet worden. In jüngster Zeit mehren sich allerdings die Stimmen, die endlich die einzigartige Sprachkunst Adlers würdigen.
Seine wichtigsten Bücher, Elohim, Nämlich und Die Zauberflöte gehören ohne jeden Zweifel in eine Reihe mit den bedeutendsten Erzählexperimenten der deutschen Literatur der Moderne, sie sind Benns Garten von Arles und Kafkas Beschreibung eines Kampfes, was Raffinesse der Komposition, Musikalität und suggestiven Klangzauber angeht, ebenbürtig. Selten wurde radikaler mit den konventionellen Erzählgesetzen, mit Zeit- und Handlungsordnungen gebrochen, um noch den verschlungensten Bewusstseinsvorgängen der Protagonisten mit größtmöglicher sprachlicher Virtuosität zu folgen. Adlers Prosa ist frei von Zwängen, sie überrascht die Leser, sie ist »absolute Prosa« (Gottfried Benn).
ISBN 978-3-946595-06-9
- Paul Adler: Absolute Prosa.
Zeitschriften
Zeitschriften des SRCTS
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- Nietzsche-Studien. Band 54, Heft 1(2025)
Internationales Jahrbuch für die Nietzsche-Forschung
Herausgegeben von: Christian J. Emden , Helmut Heit , Vanessa Lemm und Claus Zittel. Berlin 2025 - Monographien und Texte zur Nietzsche-Forschung (MTNF). Band 82 (2025)
Die literarische Musikästhetik Nietzsches.
Berlin 2025. - Intersections. Band 101 (2025)
Interdisciplinary Studies in Early Modern Culture
Spiritual Intermediality and Devotion in Early Modern Europe
Herausgeber:innen:Marlene Dirschauer, Rogier Gerrits,Marc Föcking, Alec Ryrie.Leiden 2025
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Comparatio. Jahrgang 16 (2024), Ausgabe 2
Herausgeber:innen: Linda Simonis, Annette Simonis und Kirsten Dickhaut. Heidelberg 2024. -
Zeitsprünge. Band 28, Heft 3-4 (2024)
Forschungen zur Frühen Neuzeit
Herausgegeben von: Stuttgart Research Centre for Text Studies und der Independent Research Group Hana Gründler, Kunsthistorisches Institut in Florenz - Max-Planck Institut. Frankfurt am Main 2024.
- Nietzsche-Studien. Band 54, Heft 1(2025)