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9. Januar 2024

Programm des DLA und der Literaturmuseen in Marbach am Neckar

Sonntag, 14. Januar, 15 Uhr
Archivgebäude,
Humboldt-Saal
Rilke und das Lied um 1900. Konzert und Lesung mit der Liedklasse Götz Payer (Hochschule für
Musik und Darstellende Kunst Stuttgart)
Unerbeten, zudringlich, überflüssig: So charakterisierte Rilke Vertonungen seiner Lyrik. Er empfand sie als »unerbetene Hinzuthat zu einem in sich Abgeschlossenen«, als Einbruch in eine Privatsphäre. Nur das volkstümliche, anonyme, in der Überlieferung abgeschliffene Lied, das keine individuelle Autorschaft mehr kennt, gab Rilke zur Vertonung frei. Mit dieser Auffassung steht er um 1900 nicht allein, sie teilt zum Beispiel auch sein Antipode Stefan George. In Miteinander von Konzert und Lesung präsentieren Studierende der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart die Situation des Liedes um 1900 und bringen neben Rilke-Liedern auch Ausstellungsexponate zum Erklingen.

In Kooperation mit der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie.

Das Forschungs- und Ausstellungsprojekt #LiteraturBewegt wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.
 
Rilke fragt seinen Verleger, ob eigentlich jeder Komponist ungefragt Gedichte »in seine Musik-Konserven einlegen« dürfe. © Foto: DLA Marbach.
Donnerstag, 18., bis Freitag, 19. Januar
Archivgebäude
Workshop: Text & Ton: Audioanalyse von Lyrik

Der abschließende Workshop des Projekts ›textklang‹, das sich auf die Entwicklung von Tools für die systematische Untersuchung der Beziehung zwischen literarischen Texten und ihren (möglichen) lautsprachlichen Realisierungen konzentriert, präsentiert die Forschungsergebnisse der letzten drei Jahren und bespricht im Dialog mit anderen benachbarten Projekten deren Nutzung und Weiterentwicklung dieser über das Projekt hinaus. Mit Beiträgen von u.a. Christiane Wiesenfeldt, Julia Merrill, Florian Höllerer, Reinhart Meyer-Kalkus, Claudia Hillebrandt, Claudia Benthien, Christof Weiss, Nicola Gess, Doris Kolesch, Natalie Binczek, Frieder von Ammon, Britta Herrmann und Burkhard Meyer-Sickendiek.

In Kooperation mit der Universität Stuttgart.
Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Samstag, 20. Januar, 19.30 Uhr
Archivgebäude, Humboldt-Saal
Klang-Zeitkapsel. Wir öffnen den musikalischen Nachlass von Rio Reiser
Der Nachlass von Rio Reiser ist der erste Musikernachlass im DLA. Reiser starb 1996 im Alter von 46 Jahren, mehr als 20 Jahre später gaben seine Brüder bekannt, dass sie den künstlerischen Nachlass des Sängers dem DLA stiften wollten. Freunde und Weggefährten aus der Zeit von der Beat-Oper Robinson 2000 (1967) des damals noch Siebzehnjährigen über die Band ›Ton Steine Scherben‹ bis zu seiner späten Solo-Karriere werden sich gemeinsam über den Nachlass beugen, Audios, Fotos, Videos und Songentwürfe sichten und von ihrer künstlerischen Zusammenarbeit mit Rio Reiser erzählen. Mit Sibyll Möbius, Martin Paul, Kai Sichtermann und Lutz Kerschowski. Moderation: Gunilla Eschenbach.

Das Forschungs- und Ausstellungsprojekt #LiteraturBewegt wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.
 
Die Band ›Ton Steine Scherben‹ hat ihre sog. »Schwarze Platte« mit Hilfe von gezogenen Tarot-Karten komponiert. © Foto: DLA Marbach.
Samstag, 20. Januar, ab 18 Uhr
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin
Doderer, Köhler und noch viel mehr – drei ›Zeitkapseln‹ aus dem Deutschen Literaturarchiv
Im Rahmen des ›Salons Sophie Charlotte‹ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften präsentieren Sandra Richter, Ulrich von Bülow, Nikola Herweg und Jan Bürger neue Bestände aus dem DLA in Berlin. Es geht um die Papiere des Verlagslektors Horst E. Wiemer, der im Verlag C.H. Beck arbeitete und u.a. als Entdecker des Romanciers Heimito von Doderer gilt, einen Koffer des DDR-Kulturministers Hans-Joachim Hoffmann sowie die Hinterlassenschaften der Lyrikerin Barbara Köhler. Gäste sind die Essayistin Marie Luise Knott und Emmanuel Wiemer, der Sohn von Horst E. Wiemer.

Mehr dazu unter www.bbaw.de.
 
Materialien aus dem Nachlass von Barbara Köhler. Foto: DLA Marbach (Chris Korner).
Samstag, 20. Januar, 22 Uhr
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin
Tausend und ein Morgen. Lesung und Gespräch mit Ilija Trojanow

Unter Piraten in der Karibik, mitten in der Russischen Revolution – Zeitreisen sind voller Überraschungen. Fest entschlossen betritt Cya die fremden Welten. Inspiriert von der friedlichen und selbstbestimmten Gesellschaft der Zukunft, in der sie lebt, reist sie von Zeit zu Ort und versucht, die Vergangenheit von ihren Fesseln zu befreien – mit unterschiedlichem Erfolg. In Tausend und ein Morgen entwirft Ilija Trojanow ein leidenschaftliches Porträt seiner mutigen Heldin. Er verbindet erzählerische Virtuosität und kritisches Denken zu einem modernen Epos, das alle Grenzen überwindet, Raum und Zeit ausleuchtet und einen frischen Blick in die Zukunft wagt. Mit Sandra Richter (DLA) kommt der Autor über seine Neuerfindung des utopischen Romans ins Gespräch.
 
Aktuelle Ausstellung im Literaturmuseum der Moderne

bis 3. Februar 2024
#LiteraturBewegt
Singen! Lied und Literatur
Eine Wechselausstellung im Literaturmuseum der Moderne
Am Anfang der Literatur war das Lied. Und das Lied ist auch die dominante Gattung im Musikalienbestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach mit seinen rund 5.100 Notendrucken und 2.800 Notenhandschriften vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Vertonungen von Schiller, Mörike und Hesse, von Brecht, Stramm und Kafka sind in den Sammlungen vertreten. Unsere Ausstellung kombiniert den klassischen deutschsprachigen Liedkanon mit früheren und heutigen Alltagspraktiken des Singens. Wie ändert sich eine Situation, wenn man singt? Was passiert im medialen Wechsel von Literatur ins gesungene Lied? Diesen Fragen geht die Ausstellung nach, indem sie Lieder in soziale Kontexte stellt, in denen sie gesungen werden. Wir zeigen Lieder in den fünf Grundsituationen Geburt, Natur, Liebe, Politik und Tod. Die Singanlässe gleichen sich: Damals wie heute singen wir mit Kindern, singen wir gemeinsam oder allein in der Natur. Kein Parteitag ohne Hymne, keine politische Bewegung ohne Protestsong. Angesichts von Tod und Sterben gibt das Singen Halt. Die Ausstellung geht von der Annahme aus, dass Lieder ihre performative Kraft erst entfalten, wenn sie real erklingen. Einerseits stimuliert das Lied zum Mitsingen. Andererseits bricht die Kulturtechnik des Liedersingens zunehmend weg. Die hermetische Performance des deutschen Kunstliedes verengt sich auf ein schmales Milieu. Es sind die Songs, Remixes und Karaoke-Versionen in den digitalen Kulturtechniken des permanenten Fortschreibens und Redesignens, die heute das Lied lebendig halten. ›Singen!‹ eröffnet einen zeitgemäßen Zugang zu Liedtexten und zur medialen Wirkungsweise komplexer Kunstlieder wie einfachster Songs.

Das Forschungs- und Ausstellungsprojekt #LiteraturBewegt wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.
 
Englische Übertragung von Friedrich Silchers Lore-Ley »Dedicated to Miss Annie Cousins, that fatal Lore Ley«. Foto: DLA.
 
bis 7. April 2024
Droste Digital. Handschriften – Räume – Installationen
Eine Wanderausstellung im Literaturmuseum der Moderne
Winzige, kaum lesbare Buchstaben drängen sich dicht an dicht, formen sich zu Wörtern und Texten, die das Papier oft bis zum Rand füllen, einiges ist durchgestrichen und korrigiert, anderes ergänzt – manches sogar vertikal. Annette von Droste-Hülshoffs Handschriften sind eindrückliche Textbilder mit einer ganz eigenen Ästhetik. Die Ausstellung ›Droste Digital. Handschriften – Räume – Installationen‹ präsentiert erstmals digitalisierte Manuskripte aus dem Meersburger Nachlass der Schriftstellerin, nimmt sie buchstäblich unter die Lupe, zeigt sie in verschiedenen Größen, deckt Schreib- und Entstehungsprozesse auf, macht die Handschriften in künstlerischen Installationen erfahrbar. 

Eine Ausstellung von Burg Hülshoff – Center for Literature in Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin, der LWLLiteraturkommission für Westfalen, dem LWL-Archivamt, dem Deutschen Literaturarchiv Marbach, Burg Vischering und dem Kulturgut Haus Nottbeck.
 
Foto: © CfL_LWL-Achrivamt für Westfalen.
 
bis Herbst 2024
Schiller, Hölderlin, Kerner, Mörike
Eine Interimsausstellung im Literaturmuseum der Moderne
Für das Schiller-Nationalmuseum erarbeiten wir zurzeit ein neues Ausstellungskonzept. Daher sind vier Schriftsteller – Schwaben von Geburt und drei davon Autoren von Weltrang – vorläufig ins Literaturmuseum der Moderne umgezogen. Wir haben Dinge eingepackt, die ihre poetisch besonderen Seiten zeigen: Friedrich Schillers unterschiedliche Spiele, Justinus Kerners Tintenklecksbilder und die eigenwilligen Aufschreibesysteme von Friedrich Hölderlin und Eduard Mörike. Alle vier Schriftsteller stammen aus der Umgebung des Museums: Schiller wurde 1759 in Marbach geboren, Hölderlin 1770 in Lauffen, Kerner 1786 und Mörike 1804 in Ludwigsburg.
 
Einen Einblick in die Ausstellung gibt es hier:
www.dla-marbach.de/museen/museen-digital/ausstellungskataloge-und-texte.
 
Von Eduard Mörike bemaltes Wurmholz. Foto: DLA.
 
Dauerausstellung
Die Seele 2
Die Schausammlung im Literaturmuseum der Moderne
In der Schausammlung zum 20. Jahrhundert zeigen wir über 180 Exponate aus den Sammlungen des Deutschen Literaturarchivs Marbach – von 1899 bis 2001 und von Arendt bis Zuckmayer. Zu den Exponaten gehören unter anderem Stücke aus den Nachlässen von Hannah Arendt, Gottfried Benn, Paul Celan, Hilde Domin, Alfred Döblin, Hans Magnus Enzensberger, Hermann Hesse, Robert Gernhardt, Franz Kafka, Ernst Jünger, Heinrich Mann, Else Lasker-Schüler, Rainer Maria Rilke, W. G. Sebald und Carl Zuckmayer. Im Mittelpunkt stehen dabei diese Fragen: Warum Literatur im Archiv erfahren? Was macht diese Erfahrungen so einzigartig, und wie werden sie für uns alle zugänglich? Welche Bilder von der ›Literatur‹ und von der ›Welt‹ sind mit diesem Archiv der Literatur verbunden? Die Schausammlung wird durch zwei interaktive digitale Präsentationsformen erweitert.
 
›Mit der Seele schreiben‹ wurde im Rahmen von »Neustart Kultur« der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. ›Literaturbewegen‹ ist Teil des vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg geförderten Projekts »Literatur digital lesen. Forschung in Aktion«.
 
Blick in die Ausstellung. Foto: DLA (Chris Korner).

Link

Kontakt

Alexa Hennemann
Leiterin Kommunikation
Direktion
Deutsches Literaturarchiv Marbach
Schillerhöhe 8-10
71672 Marbach am Neckar
Telefon +49 (0) 7144 / 848-173
Telefax +49 (0) 7144 / 848 191
alexa.hennemann@dla-marbach.de
www.dla-marbach.de

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