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Workshop zu den Editionskriterien der historisch-kritischen Ausgabe der Schriften und Briefe Jacob Böhmes

Bis heute bildet die Ausgabe der Sämtlichen Schriften Jacob Böhmes aus dem Jahr 1730 die Arbeitsgrundlage für die Auseinandersetzung mit Böhmes Denken. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Will-Erich Peuckert als Faksimile-Ausgabe neu aufgelegt, gilt sie weitestgehend als zitierfähige Referenz für den originalsprachlichen Text und bildet gleichzeitig die so eindrückliche wie editionsphilologisch problematische Rezeptionsgeschichte der Schriften Böhmes mit ab.

Die geplante 30-bändige historisch-kritische Neuedition der Schriften und Briefe Jacob Böhmes beim frommann-holzboog-Verlag erfordert eine erneute, aktualisierte und grundlegende Auseinandersetzung mit den zur Verfügung stehenden Textgrundlagen, ihrer Darstellung und Einordnung. Angesichts der ursprünglich handschriftlich zirkulierenden Schriften Böhmes und der durch die posthume Druckgeschichte entstandenen Überformung des Wortlautes, der Textgestalt und der Kompilierung im Rahmen von Gesamtausgaben, müssen zu Beginn der Neuedition grundlegende und entscheidende Fragen zu den Editionskriterien gestellt werden.

Die Editionskriterien sollen dabei nicht nur dem Böhmeschen Schaffen angemessen sondern auch nach heutigen editionsphilologischen Standards praktikabel und sinnvoll sein – wobei beide dieser Forderungen offen zu diskutieren wären. Ausgangspunkt ist zunächst die ihrer Entstehung nach chronologische Herausgabe der Schriften in Einzelbänden, basierend auf dem jeweils vorhandenen Textmaterial. Diese Textgrundlage kann sich, je nach Einzelschrift und Verfügbarkeit, aus Autograph, Abschrift(en) und größtenteils posthum aufgelegten Einzeldrucken oder Teilen von Gesamtausgaben konstituieren.

Die bereits in der Entstehung befindlichen ersten beiden Bände der Neuedition (die Schriften Ein gründlicher Bericht vom irdischen Mysterio und Von der wahren Gelassenheit) sind dabei Modelle, anhand derer bereits Editionsrichtlinien erarbeitet und erprobt wurden. Diese von Günther Bonheim formulierten und zusammengetragenen Kriterien wären nun zu diskutieren und mit den individuellen Konstellationen von verfügbaren Textgrundlagen der restlichen Bände abzugleichen. Dabei sollten insbesondere auch die umfangreicheren Texte oder solche mit problematischer Textgrundlage (z.B. die Gnadenwahl) speziell in den Blick genommen werden.

Der Workshop findet voraussichtlich Ende Oktober 2019 am SRC Text Studies statt.