| Zeit: | 14. Juli 2026, 17:30 – 19:00 Uhr |
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Alpine Szenarien zwischen Dystopie und Eutopie
Inzwischen hat sich das Denken in Szenarien angesichts multipler Bedrohungen etabliert, die sich im alpinen Raum angesichts übertretener planetarer Grenzen, insbesondere des Klimawandels, zuspitzen. Gleichzeitig sind die Alpen ein besonders dichter Raum von Mythenbildungen, Imaginarien und Narrativen, welche die eu- und dystopischen Extrempole besonders kennzeichnen. Dazu gehört die alpine Sagenwelt, die touristische Idyllisierung und alpinistische Überhöhung, aber auch die Hölle der Gebirgskriegserfahrung zum einen und die alpine Schutzfunktion des militärischen Reduitkonzepts zum anderen sowie die rasante Technisierung der Landschaft für Skisport und Wasserkraftnutzung. Literaturwissenschaftliche Probebohrungen in zeitgenössischen Erzählwerken – im Zentrum steht Seraina Koblers Tal der Schwalben (2026) – können exemplarisch darlegen, wie dieses vielschichtige, multimediale und multisensoriale historisch angehäufte Konglomerat mit der aktuellen Bedrohungslage polyphon ineinander verschränkt werden. Bemerkenswert ist vor allem, wie lineare in zyklische und aktuell politische in geologische Narrative überführt werden. Diese neuen alpinen Narrative stammen meist aus weiblicher Feder und messen nicht nur die Gefühlswelt der Protagonistinnen und Protagonisten akkurat aus, sondern verknüpfen gleichzeitig die Tiefenzeiten von Vergangenheit und Zukunft. Daraus lassen sich wiederum sozialpolitisch relevante Szenarien über den Alpenraum hinaus ausbilden, die aktueller sind denn je.
14.7.2026; 17.30 Uhr; KII; 17.23