Internationale Oskar Loerke-Forschungsstelle

Forschungsstelle zum Werk von Oskar Loerke (1884 - 1941)

Aktuelles

Materialien

Nachwort aus Oskar Loerke: Sämtliche Gedichte von Uwe Pörksen und Wolfgang Menzel

PDF herunterladen: Nachwort Loerke Sämtliche Gedichte Bd 2 (15.8.10)
Quelle: Oskar Loerke: Sämtliche Gedichte. Herausgegeben von Uwe Pörksen und Wolfgang Menzel. Mit einem Essay von Lutz Seiler. Eine gemeinsame Veröffentlichung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Wüstenrot Stiftung. 2 Bände. Göttingen: Wallstein Verlag 2010, S. 1004-1022.
 

Rezeptionen

Radio K1: Der Sonntag um 12: Sonntag 2. Januar 2011.
Fachdienst Germanistik: Januar 2011.
Literaturkritik.de: Eine längst fällige Wiederentdeckung. Das lyrsische Werk von Oskar Loerke ist in zwei Bänder erschienen. Von Manfred Orlick. - Januar 2011.
Informationsmittel IFB: November 2010.
Badische Zeitung: 12. Februrar 2011.
Planetlyrik.de: Januar 2011.
Chilli das Freiburger Stadtmagazin: Februar 2011.
Deutschlandradio: 21.02.2011

 

Bibliographie

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Bibliographie nach Samuelson-Koennecker.

 

Publikationen

Oskar Loerke: Der Oger. Roman. Hg. von Dieter Heimböckel u. Claus Zittel. Düsseldorf 2021 (= Reihe Kometen der Moderne, Bd. 2).
– Weitere Informationen zum Buch. 

Dieter Heimböckel: Oskar Loerke. Ein literarischer Solitär. In: Zeitschrift für Germanistik 35 (2025), 1, S. 157-170.
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Dieter Heimböckel: Aneignung und Nichtverstehen. Wenn das Reisen an Grenzen stößt. In: Die moderne Subjektivität als ein Fragmentenmosaik. Festschrift für Bernhard-Arnold Kruse. Hg. von Gianluca Esposito u. Daniela Liguori. Neapel 2025, S. 333-346.
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Wolfgang Menzel/Michael Jansen: Oskar Loerke – Literaturvermittler in bewegten Zeiten. In: Jahrbuch zur Kultur und Literatur der Weimarer Republik 23 (2023/24), S. 175-184.

 

 

 

Aufgaben, Ausrichtung und Ziele der Forschungsstelle

Oskar Loerke (1884–1941) gehört zu jenen Autorinnen und Autoren der literarischen Moderne, deren überragende Bedeutung bislang nur punktuell erkannt wurde. Dabei ist sein Oeuvre bemerkenswert vielfältig – es umfasst Lyrik, Erzählprosa, Tagebücher, literaturkritische und poetologische Texte, musikbezogene Essays sowie eine umfangreiche Korrespondenz. Eine wissenschaftlich fundierte, textkritische Werkausgabe fehlt jedoch bis heute ebenso wie eine umfassende editorische Erschließung seines vor allem im DLA Marbach befindlichen Nachlasses, darunter insbesondere seine Tagebücher und Briefe. Viele seiner literarischen Arbeiten sind bislang unediert oder seit ihrer Erstpublikation nie wieder neu veröffentlicht worden; und die posthum erschienenen Texte wurden nicht in textkritischen Ausgaben vorgelegt. Die bisher existierenden Bibliographien seiner Schriften sind unvollständig und bedürfen dringend der Revision. Befragt man zudem die Literaturgeschichtsschreibung danach, wie und wo Loerke zu verorten ist, so begegnet man ihm als Expressionisten, magischen Realisten, Naturlyriker oder Vertreter der inneren Emigration – Kategorien, die seinem Werk in der Gesamtheit nur unzureichend gerecht werden.

Die letzte größere Auseinandersetzung im Rahmen wissenschaftlicher Tagungen fand in den 1980er Jahren im Deutschen Literaturarchiv Marbach statt. Seither ist es um Loerke vergleichsweise still geworden. So ist auch die Gattungsvielfalt und ästhetische Eigenständigkeit seines Schreibens bis heute nur partiell literaturwissenschaftlich in den Blick geraten.

Die Oskar Loerke-Forschungsstelle will daher an der umfassenden Erschließung von Loerkes Werk mitwirken und einen nachhaltigen Beitrag zur Neubewertung seines Werks leisten, indem sie einen zentralen Ankerpunkt für die ihm gewidmeten Forschungen und Editionsprojekte bietet, Tagungen und Workshops zu seinem Werk ausrichtet, Materialien bereitstellt und seine Schriften dem wissenschaftlichen Nachwuchs näherbringt.

Die Forschungsstelle wird die oftmals an entlegenen Orten publizierten, mehrheitlich vergriffenen und teils gänzlich unbekannten Schriften Loerkes sowie die frühen Rezensionen seiner Werke umfassend bibliographieren. Daneben werden auch die Kontroversen, die Loerkes Werk auslöste, und weitere Rezeptionszeugnisse dokumentiert und kommentiert. Auf diese Weise soll die literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Loerkes Dichtung, Poetologie und Ästhetik befördert werden. Zugleich lassen sich Möglichkeiten einer Aktualisierung ausloten.

Geplant sind zudem die Durchführung von Workshops und Tagungen, die sich der Erschließung und Fortführung seines Werks widmen, die Publikationen von Forschungsbeiträgen und die Erarbeitung von Editionen.

 

[Stand: 29.12.2025]

Ihr alle, hegt Euch den Oskar Loerke; er ist der
einzige autoritative Künstler, den ich kenne!

Moritz Heimann, von Paul Eipper anlässlich des 50. Geburtstags von Loerke überliefert.

Vita

1884

Am 13. März wird Oskar Eugen Loerke in Jungen (heute Wia˛g) bei Schwetz ( wiecie) an der Weichsel geboren. Der Erstgeborene wächst mit vier Schwestern und zwei Brüdern dort und in Graudenz auf. Prägend sind in der Kinderzeit die Lieder, Sprüche und Geschichten der polnischen Kinderfrau. Sie weckt seine Lust an Versen, und der Knabe

1894

Besuch des Gymnasiums in Graudenz. Seine sprachliche Begabung zeigt sich, er lernt Latein, Griechisch, Französisch, Hebräisch. Der Sextaner verfaßt Gelegenheitsgedichte, der Primaner bereits ein Gedichtheft. Es ist seinem Freund Hans Kyser gewidmet Abitur.

1903

Studium der Germanistik, Geschichte, Philosophie und Musik an der Universität Berlin.

1903

Erste Begegnung mit der späteren Lebensgefährtin Clara Westphal.

1907

Loerke verläßt die Universität ohne Examen mit einem Abgangszeugnis vom 8. März Die Erzählung Vineta erscheint bei S. Fischer in Berlin mit einem Einband von Emil Rudolf Weiß. Loerke wird freier Schriftsteller.

1908

Juni: Fußwanderung durch den Harz.

1909

Juni: Riesengebirgsreise.
Näherer Umgang mit Moritz Heimann, dem Lektor des S. Fischer Verlags.
Franz Pfinz, Erzählung. Erster Beitrag in der »Neuen Rundschau«.

1910

Frühjahr: Aufenthalt in Paris.
Der Turmbau, Roman
Anfänge der bis 1917/18 bestehenden Donnerstagsgesellschaft; dort lernte Loerke neben Julius Levin, Micha Josef bin Gorion, Hermann Stehr, Alfred Mombert, Efraim Frisch auch bereits Wilhelm Lehmann kennen, zudem Walther Rathenau, der ihn gefördert hat Freundschaft mit Emil Rudolf Weiß und dem Maler Emil Orlik.

1911

Reise mit Clara Westfal in die Vogesen und den Schwarzwald.
Oktober: Bekanntschaft mit Gerhart Hauptmann.
Loerkes erster Gedichtband Wanderschaft erscheint bei S. Fischer.

1912

Juli: Nordsee-Reise mit dem S. Fischer Autor Martin Beradt.
August: nähere Bekanntschaft mit dem Arzt, Schriftsteller und Geigenbauer Julius Levin.

1913

Juni/Juli: Erster Aufenthalt bei Gerhart Hauptmann in Agnetendorf.
November: Kleistpreis (zusammen mit Hermann Essig), dotiert mit 1200 Mark und einem Reisestipendium; Arbeit am Roman Der Oger.

1914

April/Juni: Loerke tritt die mit dem Kleistpreis verbundene Schiffsreise an, fährt nach Algerien, in die Sahara und nach Italien (Pompeji, Capri).
Arbeit als Dramaturg im Bühnenverlag Felix Bloch, Berlin.

1915

Der Band Gedichte erscheint als erste Veröffentlichung der Donnerstagsgesellschaft.
Grundsätzliche Absage an den Krieg und die allgemeine Wehrpflicht in den Tagebüchern, untauglich für den Kriegsdienst.

1916

Gedichte als erweiterte Verlagsausgabe bei S. Fischer.

1917

Juli/September: Garnisondienst in Königsberg – Befreiung vom Militärdienst.
15. Oktober: Lektor im S. Fischer Verlag (neben Moritz Heimann).
Bekanntschaft mit den Studenten Wolf Przygode und Hermann Kasack, die seit 1918 an der kurzlebigen
Zeitschrift Die Dichtung mitarbeiten und als Essayisten und Autoren hervortreten.

1919

Das Goldbergwerk, Novelle. Chimärenreiter, Novellen. Der Prinz und der Tiger, Erzählung.

1920

Aufsätze und Rezensionen im »Bücherkarren« des »Berliner Börsen-Couriers« (bis 1928).
Loerke vergibt den Kleist-Preis an Hans Henny Jahnn für das 1919 bei S. Fischer erschienene Drama Pastor Ephraim Magnus und ruft damit einen Skandal hervor.

1921

Der Oger, Roman. Loerke bleibt als Erzähler erfolglos.
Pompeji. Eine Gedicht-Reihe im Verlag der Dichtung, Potsdam (Gustav Kiepenheuer).
Die heimliche Stadt, Loerkes dritter Gedichtband

1922

Aufsatz Musik und ihr Gegenstand. Wandlungen eines Gedankens über J. S. Bach, »Genius« (Jg. 1921);
Aufsatz Selbstüberwindung des Protestantismus in Bachs Musik in der avantgardistischen Musikzeitschrift
»Melos« (Hrsg. Hermann Scherchen, Fritz Fridolin Windisch).
Reichsaußenminister Walther Rathenau wird am 24. Juni Opfer eines Mordanschlags, Loerke veröffentlicht
einen Nachruf in der »Neuen Rundschau«.
Arbeit an einer Monographie über Johann Sebastian Bach, Aufgabe des Projekts und schwere Lebenskrise.

1924/25

Ausweisung der Eltern aus dem polnischen Grudzia˛z (Graudenz); sie leben fortan in Spremberg/Lausitz.

1925

22. September: Tod Moritz Heimanns; Loerke nimmt sich seines literarischen Nachlasses an und gibt 1926 Moritz Heimann: Nachgelassene Schriften heraus
Er wird Nachfolger Heimanns im S. Fischer Verlag.
Die von ihm hauptsächlich betreuten Autoren sind Gerhart Hauptmann, Alfred Döblin und Thomas Mann.
Zeitgenossen aus vielen Zeiten, Essays, bei S. Fischer.

1926

27. Oktober: Mitglied der Preußischen Akademie der Künste zu Berlin, Sektion für Dichtkunst.
Der längste Tag, Loerkes vierter Gedichtband.

1928

Februar: Ernennung zum Sekretär der Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste.
26. November: Formprobleme der Lyrik, Akademie-Rede in der Aula der Berliner Universität.

1929

11. Juli: Tod des Vaters.
Pansmusik als Neuauflage der Gedichte von 1916.
Herausgeber des Jahrbuchs der Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste

1930

Wie schon 1927 anläßlich des Romanmanuskripts Der Überläufer scheitert Loerke bei dem Versuch, Wilhelm Lehmanns Roman Der Provinzlärm bei S. Fischer herauszubringen (»Meine schwerste Niederlage
als Lektor«).
Atem der Erde. Sieben Gedichtkreise, Loerkes fünfter Gedichtband.
16. Dezember: Umzug in das gemeinsam mit Clara Westphal und Ludwig Kropff gebaute Haus in Berlin-Frohnau.

1932

28. September: Tod des Freundes Emil Orlik

1933

Februar/Juni: Gleichschaltung der Akademie April: Entlassung Loerkes aus dem Amt des Sekretärs 26. Oktober: Veröffentlichung eines von 87 Schriftstellern, darunter auf Druck des Verlags auch von Loerke unterzeichneten »Treuegelöbnisses vor dem Reichskanzler«:»Friede, Arbeit, Freiheit und Ehre sind die heiligsten Güter jeder Nation und die Voraussetzung eines aufrichtigen Zusammenlebens der Völker untereinander. Das Bewußtsein der Kraft und der wiedergewonnenen Einigkeit, unser aufrichtiger Wille, dem inneren und äußeren Frieden vorbehaltlos zu dienen, die tiefe Überzeugung von unseren Aufgaben zum Wiederaufbau des Reiches und unsre Entschlossenheit, nichts zu tun, was nicht mit unsrer und des Vaterlandes Ehre vereinbar ist, veranlassen uns, in dieser ernsten Stunde vor Ihnen, Herr Reichskanzler, das Gelöbnis treuester Gefolgschaft feierlichst abzulegen.« Es folgen Depressionen.  chamgefühle begleiten sein weiteres Leben. Loerkes Tagebücher 1932-34 lassen eine vollständige Ablehnung des Nationalsozialismus erkennen, die in den Gedichten bis zu seinem Lebensende an Radikalität zunimmt.

1934

13. März: Loerke erfährt zu seinem 50. Geburtstag viele unerwartete Beweise der Anerkennung und Dankbarkeit von Freunden und Schriftstellerkollegen. Der S. Fischer Verlag überreicht ihm eine Widmungsmappe mit 75 Geburtstagsgrüßen, darunter ein Loerke tief bewegender Brief Alfred Döblins, ein Sonett von Gerhart Hauptmann, Widmungsgedichte von Hans Carossa, Hermann Hesse, Otto Flake, Gottfried Benn, Günter Eich, Hermann Kasack, Grüße von Thomas Mann und dem engen Freund Wilhelm Lehmann.
Samuel Fischer stirbt, Loerke hält die Grabrede. Peter Suhrkamp wird Verlagsleiter.
Der Silberdistelwald, Loerkes sechster Gedichtband

1935

Das unsichtbare Reich. Johann Sebastian Bach, Essay in der »Neuen Rundschau«, wird vom Verlag als Sonderdruck
herausgebracht.

1936

Abschluß des »Siebenbuchs« mit Der Wald der Welt, Gedichte.

1938

Anton Bruckner. Ein Charakterbild.
Der Steinpfad. Dichtung. Als Manuskript in wenigen Stücken gedruckt. Berlin: Stomps (1938)

1939

Juni/Juli: Mit Helene Grell in Millstatt (Kärnten).
29. Oktober: Tod der Mutter Amanda Loerke, geb. Flindt (1857-1939).
Hausfreunde, Charakterbilder.
Kärntner Sommer 1939. Als Manuskript in wenigen Stücken gedruckt. Berlin: Stomps (1939).

1940

6. Februar: Letztwillige Bitten für den Fall meines Todes: … ich habe an meine wahren Freunde die einzige,
sie schwer belastende Bitte: nicht mein Andenken besudeln zu lassen und jedem entgegenzutreten, der etwa behaupten wolle, ich sei an dieser oder jener Krankheit gestorben, etwa an meinem Herzleiden, einer Erkältung oder was es sein mag, weil jegliche Krankheit, selbst jede Disposition zu einem Unglücksfall, durch die feindlichen Handlungen und Anschauungen veranlaßt worden ist in langen Jahren …
Juni/Juli: Kuraufenthalt in Bad Altheide, Schlesien (Herzleiden). Reinschrift der Gedichtsammlung Der Gast von Altheide.
Herbst: Aufenthalt in der Landhausklinik Berlin.
Herausgabe des zweibändigen Lesebuchs Deutscher Geist (mit Peter Suhrkamp).
Bis zum vorletzten Lebenstag entstehen weiterhin neue Gedichte, die der vieljährige Mitarbeiter und nahe Freund Hermann Kasack unter dem Titel Die Abschiedshand herausgeben wird.

1941

24. Februar: Oskar Loerke stirbt in Berlin-Frohnau.
Peter Suhrkamp hält die Grabrede.
Ehrengrab auf dem Friedhof Frohnau.

 

Oskar Loerke: Sämtliche Gedichte. Herausgegeben von Uwe Pörksen und Wolfgang Menzel. Mit einem Essay von Lutz Seiler. Eine gemeinsame Veröffentlichung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Wüstenrot Stiftung. 2 Bände. Göttingen: Wallstein Verlag 2010, S. 1023-1028.

Tagungen

Kontakt/Leitung

 

Prof. Dr. Claus Zittel

Azenbergstraße 12, 70174 Stuttgart, 1. OG, Raum: Zi. 1.014

 

Prof. Dr. Dieter Heimböckel

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