"Schloß Nornepygge. Roman des Indifferenten“ von Max Brod zum Buch des Monats August gekürt

3. August 2026

Zum Buch des Monats August 2026 hat die Darmstädter Jury das Buch von „Schloß Nornepygge. Roman des Indifferenten“ von Max Brod gewählt

Buch des Monats August 2026

Begründung der Jury

Das Buch erschien 1908. Und schlug ein als eine weithin streuende und sengende Splitterbombe der Moderne. Sein Autor Max Brod, Jahrgang 1884, Prager Jude, Lyriker, Dramatiker, Musik- und Theaterkritiker, Komponist, Talenteförderer (unter anderen Friedrich Torberg und Leoš Janaćek) Freund und Wegbereiter Franz Kafkas, als der er heute – leider nur noch – bekannt und berühmt dafür ist, dem Wunsch des früh Verstorbenen nicht entsprochen und dessen Werke nicht verbrannt zu haben. Mit „Schloß Nornepygge“, einem atemlosen, rauschhaft hochhinglühenden taumelnd sprühenden Riesenroman, den er später abmilderte und für dessen Ekstasen er sich entschuldigen zu müssen glaubte, gelang ihm aber in der Gestalt des unermesslich reichen Walder Nornepygge eine geradezu unheimliche Jahrhundertfigur – der wahrste Mann ohne Eigenschaften, gegen den Robert Musils Ulrich ein Waisenknabe ist. Walder lebt und tobt sich in allen zur Verfügung stehenden Masken aus: als Reaktionär, als Revolutionär, als Spießer, als mordbübischer Über-Leichen-Geher und Vater-Verächter, als Polit-Clown, als Eheknecht, als Frauenverbraucher, als Satanist, als Nihilist, als Sozialist, als Kapitalist, als gottloser Dandy und Décadent so gut wie als gottesberauschter Asket. Man kann in ihm den eiskalten Faschisten avant la lettre genauso erkennen wie den Vorschein eines weltentzündenden Rüpels und Techno-Condottiere à la Musk und Trump aufglühen sehen, der sich Macht und Einfluss und Herrschaft nicht einfach erobert, sondern mit Unmengen von Geld förmlich zu sich her schwemmt. Ein so maßloses wie höchst unterhaltsames, glänzend hingehauenes Werk. Eine Großtat des Leske-Verlags und der Herausgeber Laura Friedrichsohn und Claus Zittel, die diesem „Kometen der Moderne“ nicht nur ein kenntnisreich analysierendes Nachwort, sondern auch Briefe und Rezensionen der Zeitgenossen Brods pro und contra „Schloß Nornepygge“ beigesteuert haben. Ein erregendes Lesevergnügen von vorn bis hinten.

Darmstädter Jury „Buch des Monats e.V.“, Gerhard Stadelmaier

Cover-Bild Schloss Nornepygge

 

Leske Verlag

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